Namibia: Weite Wüsten und miese Pisten.

Wir sind auf dem Weg zu den Felsgravuren von Twyfelfontein, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Der Weg dorthin führt wie so oft in Namibia über staubige Pisten. Auf Grund von Berichten anderer Reisender rechnen wir mit den besten Pisten Afrikas, „das sind Autobahnen“ – und fahren sehenden Auges in die Rüttelhölle unseres Lebens! 😀 Bisher hatten wir nirdendwo in Afrika so üble Wellblechpisten und so viel Staub im Auto. Was also ist hier los?! Man erzählt uns, dass irgendjemand in der Regierung das Geld für die Wartung der Pisten „verloren“ hat und da die Jungs im Caterpillar auch nicht so gerne ohne Bezahlung fahren, werden die meisten Tracks seit über einem halben Jahr nicht mehr geschliffen… In keinem unserer bisherigen Länder hätte uns das verwundert, aber hier hätten wir das nicht erwartet. Namibia ist also doch ein echt afrikanisches Land! 😉 Die Gravuren in Twyfelfontein entschädigen uns dann aber immerhin für die brachiale Anfahrt. Sehr beeindruckend finden wir auch den versteinerten Wald in der Nähe. Sieht aus wie echtes Holz, ist aber mehrere Millionen Jahre alt, komplett aus Stein und wird nun langsam wieder von der Erosion freigelegt. Toll, wenn Geschichte so greifbar wird! Weiter geht es über miese Rüttelpisten an die unwirkliche Skeleton Coast. Mittags hat es noch um die 40 Grad, Abends tobt ein nasskalter Sturm bei geschmeidigen 10 Grad. Man versteht also schnell, woher dieser menschenfeindliche Landstrich seinen Namen hat. Aber nicht nur Mensch, auch Material leidet hier: noch bevor der Tag zu Ende geht, verzeichnet der Polo zwei Plattfüße 😀 Wieder einmal rettet uns das Reifenreparaturset und unser Kompressor. Jetzt ist es Zeit für Swakopmund, das auch im Schwarzwald liegen könnte. „Brauhaus“, „Zollstation“, „Buchhandlung“, „Apotheke“ – wir fühlen uns fast wie daheim! Also checken wir in einem netten Backpacker ein und machen uns mit Iris und Sigi einen schönen Abend. Am nächsten Morgen gabeln wir noch Flo und Paul aus Stuttgart auf und fahren zu sechst in Richtung Namib-Wüste. Es geht durch wunderschöne, weite und menschenleere Landschaften. Abends im Bushcamp wird gegrillt, getrunken und gelacht. Über uns leuchten tausend Sterne und die Milchstraße strahlt so hell wie seit Angola nicht mehr. Am nächsten Morgen schlägt dann endlich wieder die Rüttelhölle zu. Wir nähern uns Sossusvlei, eine kleine Salz-Ton-Pfanne inmitten des riesigen Sandmeeres der Namib. Hier finden sich mitunter die höchsten Dünen der Welt. Pünktlich zum Sonnenuntergang sitzen wir dann auch auf „Big Mama“. Alle anderen Touristen sind schon in ihren Camps und so haben wir das rot glühende Farbenspiel für uns. Leider ist praktisch die gesamte Namib für Menschen tabu und das kleine erkundbare Randstück bei Sossusvlei ist sehr touristisch. Auch wenn es schön ist, das Feeling fehlt! Für uns kein Vergleich zu einer „echten“ Wüste, wie der Sahara in Mauretanien. Was wir auch ein wenig vermissen, ist der Kontakt zu den Locals. Wenn wir auf Schwarze treffen, dann meist hinter der Kasse im Supermarkt oder in der Rezeption am Campingplatz. Vermutlich ist das Land einfach zu dünn besiedelt. Wir verabschieden uns von den Stuttgarter Jungs und leider müssen wir auch schon Iris und Sigi Ciao sagen. Es war sehr schön mit den beiden. Danke, dass ihr uns besucht habt! Unser Weg führt nach Südafrika, vom dem Namibia übrigens erst seit 1990 unabhängig ist. Auf dem Weg besuchen wir noch den Fish River Canyon, zweitgrößter Canyon der Welt und sehr schön (Anfahrt über miese Rüttelpiste). Namibia ist sehr touristisch, hat uns aber dennoch gut gefallen.

Jetzt die Bilder.

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