Ruanda: Im Land der tausend Hügel und des schlimmsten Völkermordes Afrikas.

In Ruanda herrscht Zucht und Ordnung, schon die Einreise läuft über eine der modernsten Grenzen unserer Reise. Außerdem ist alles blitzblank sauber und jeder hält sich an die strengen Verkehrsregeln – eine Wohltat nach den Kamikaze-Bussen auf den Pisten Tansanias, die wie alle Afrikaner immer so schnell fahren, dass sie gerade nicht vom losen Untergrund abheben 🙂 Wir werden empfangen von endlosen, saftig-grünen Hügeln und einer nicht enden wollenden Ansammlung von Dörfern. Das kleine Land verzeichnet wie viele seiner Nachbarn eine unkontrollierte Bevölkerungsexplosion: auf eine Frau kommen durchschnittlich fünf Kinder… Denn Kinder stehen in Afrika für Wohlstand, eine Frau ohne Kinder wird gesellschaftlich geächtet. Dass viele Kinder aber auch die ohnehin knappen Ressourcen beanspruchen, bedenkt hier niemand. Aus unserer Sicht wird das die vielen Probleme Afrikas weiter verschärfen. Da wir während der kleinen Regenzeit reisen, bekommen wir fast täglich einen Regenschauer ab und es ist oftmals bewölkt. Man kann aber dennoch problemlos reisen. Die Hauptstadt Kigali gilt als derzeit modernste und sicherste Stadt Afrikas, man will zum Singapur Afrikas werden. Das gelingt auch schon ganz gut, wir sind beeindruckt. Vor allem „La Galetta“, ein deutscher Bäcker mit Metzgerei, erobert unser Herz. Es gibt Brezn, Brot, Baguette, Butter, Wurst, Salami – kurzum: alles, was es sonst nirgendwo in Afrika gibt! 🙂 Doch so aufgeräumt und voll blühendem Leben war Ruanda nicht immer. In 1994 wurde es zum Schauplatz des schlimmsten Völkermordes Afrikas, als extremistische Hutu innerhalb von 100 Tagen mehr als 800.000 Tutsis und gemäßigte Hutus grausam abgeschlachtet haben. Leider lässt sich auch dieser Konflikt auf die Kolonialzeit zurückführen, als erst Deutsche, später Belgier die Bevölkerung in die beiden Gruppen getrennt und gegeneinander ausgespielt haben, um die Kontrolle über das Land zu behalten. Heute übt sich die Tutsi-Regierung in Integration, der Genozid wird in hunderten Mahnmalen im ganzen Land thematisiert und verarbeitet. Auch wir besuchen drei dieser schockierenden Mahnmale bzw. Massengräber. Oftmals handelt es sich dabei perfiderweise um Kirchen, in denen die Tutsi bei lebendigem Leibe verbrannt oder mit Macheten niedergemetzelt wurden. Viele dieser Orte werden bewusst so wie am Tage des Massakers belassen, inklusive der Kleidung der Opfer und eingeschlagener Totenschädel. Einige von euch kennen vielleicht den Film „Hotel Ruanda“, dessen Originalschauplatz wir ebenfalls besuchen, auch wenn das echte Hotel („Milles Colinnes“) ganz anders als im Film aussieht (siehe unser Bild). Für uns sind diese Besuche belastende und emotionale Tage. Es ist zum Kotzen, was sich Menschen gegenseitig antun können. Im zentralen Mahnmal von Kigali erinnert eine Ausstellung auch an weitere Völkermorde, neben Srebrenica oder Armenien spielt hier natürlich vor allem der Holocaust und damit unsere eigene, grausame Vergangenheit eine große Rolle. Nie wieder! Ruanda ist auf einem einigermaßen guten Weg, auch wenn der Ordnungs- und Kontrollwahn der Regierung derzeit in Richtung Polizeistaat, viel Angst und Repression und wenig Meinungsfreiheit geht. Wir wollen das Land jedenfalls nicht nur negativ in Erinnerung halten uns so denken wir über ein Gorilla-Tracking nach. Leider kostet das hier nach einer kleinen Preiserhöhung etwa 1.500 Euro pro Person 😀 Dieser Kalkulation liegt die Annahme Grunde, dass bspw. ein durchschnittlicher Deutscher 5.000 US Dollar netto pro Monat verdient… Nicht nur wir Europäer haben komplett verzogene Vorstellungen von Afrika, sondern auch anders herum! Also beschließen wir, für den Besuch der Berggorillas in die benachbarte Demokratische Republik Kongo zu fahren, dort kostet das Tracking 200 US Dollar pro Person. An dieser Stelle findet also ein kleiner Zeitsprung statt, den Reisebericht liefern wir bald. Nach unserem Ausflug in den chaotischen Kongo und der Rückkehr nach Ruanda ruhen wir uns noch etwas am schönen Lake Kivu aus, bevor es weiter in Richtung Uganda geht.

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2 Kommentare

  1. Hallo Zusammen
    Tolle Bilder, tolle Berichte bitte weiter so…
    Was ihr so erlebt ist Wahnsinn, nur muß man auch total mutig sein das so zu machen.
    Ich würde aber gerne wissen ob es wirklich alles so positiv verläuft?
    Weiter alles Gute und viel Spaß
    Grüße aus dem Raum Aachen
    Peter

    1. Hallo Peter,
      Danke für deine lieben Worte!
      Natürlich läuft nicht alles positiv, aber im Großen und Ganzen schon. Jetzt mal speziell auf Ruanda bezogen: die Überbevölkerung nervt, weil man nirgendwo seine Ruhe hat. Und soo positiv konnten wir Ruanda auch wegen der Geschichte des Völkermordes nicht erleben. Außerdem gibt es nur afrikanisches Essen und das ist nicht immer unser Ding (Labbel-Toast, keine Wurst, keinen Käse usw.). Aber ich denke das ist alles Kleinkram, wir durften bisher fast nur Positives erleben. Speziell was man sonst so Negatives von Afrika erwartet (Probleme an Grenzen, schlechte Sicherheitssituation, Krankheiten) können wir bisher überhaupt nicht bestätigen. Dazu kommt, das wir mit unserem Auto bisher absolutes Glück haben, niemals Probleme. Die Reise ist alles andere als einfach, aber sie ist einfacher als wir es Anfangs erwartet hätten.
      Melde dich gerne bei konkreten Fragen.
      Liebe Grüße, Lukas

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