D.R. Kongo: Gorilla Tracking und Vulkan-Besteigung im wilden Herzen Afrikas.

Wir wollen zurück in die Demokratische Republik Kongo (DRC), um den Virunga Nationalpark zu besuchen. Dort kann man die seltenen Berggorillas im Dschungel aufspüren (Gorilla Tracking) und aktive Vulkane besteigen. Außerdem hat uns der erste Besuch in der DRC sehr beeindruckt und irgendwie wirkt dieses chaotische Land mit seinem undurchdringlichen Dschungel eine seltsame Anziehungskraft auf uns aus. Leider ist der gesamte Osten der DRC und das Gebiet rund um den Park absolutes Krisengebiet, hier tummeln sich dutzenden Rebellengruppen, ein marodierendes Militär und die größte UN Friedensmission der Welt. Im Grunde geht es in dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt um Bodenschätze wie z.B. seltene Erden und Kobalt, also Rohstoffe die wir für unsere Elektroautos und Smartphones benötigen, aber auch Gold, Diamanten oder Öl. Die Bevölkerung sieht von dem unfassbaren Reichtum ihres Landes natürlich wie immer nichts. Bei uns zu Hause bekommt man hiervon kaum etwas mit, aber alleine im zweiten Kongokrieg (1998 bis 2003) starben etwa drei Millionen Menschen… Neben zwielichtigen Konzernen mischen auch heute noch die Nachbarstaaten Uganda und Ruanda mit, indem sie verschiedene Rebellengruppen unterstützen und sich unter dem Deckmantel des Chaos illegal an den Rohstoffen bereichern. Damit man mal ein Gefühl dafür bekommt, was das für Typen sind: die Maï-Maï Rebellen etwa glauben, dass Gewehrkugeln wie Wasser an ihnen abprallen, wenn sie ihre oberste Regel befolgen – „Nicht waschen und Frauen vergewaltigen“. What the fuck?! Etwa 2.000 bis 3.000 Rebellen sollen sich an den Außengrenzen des Nationalparks tummeln, daher wägen wir die Sicherheitslage  äußerst genau ab, bevor wir überhaupt an einen Besuch denken. Der Park selbst hat ein umfassendes Intelligence-Network und wird von etwa 700 schwer bewaffneten und hochmotivierten Rangern gesichert, die von westlichen Sicherheitskräften trainiert werden. Für den Schutz des Parks, der Tiere und Touristen zahlen diese Menschen einen hohen Preis. Alleine 2017 wurden bereits acht Ranger getötet, in den letzten 20 Jahren waren es über 160. Wenn die Sicherheitslage es nicht zulässt, wird der Park geschlossen und Trips abgesagt, kein einziger Tourist kam jemals in Obhut des Parks zu Schaden. Die Hauptattraktionen finden sich allesamt im Süden des Parks auf sehr kleinem Raum, man ist nie weiter als etwa 50 Kilometer von der Grenze zu Ruanda entfernt. Der Virunga Park ist außerdem der älteste Nationalpark Afrikas und erhält große Unterstützung aus dem Ausland. Kein Nationalpark Afrikas ist derart gut organisiert, wir erhalten innerhalb von Minuten Antworten auf unsere E-Mails und können unsere Permits und Visa direkt über die Park-Website visitvirunga.org buchen. Nach einigen Tagen Recherche und Austausch mit dem Park entscheiden wir, dass die Lage aktuell einen Grenzübertritt zulässt. Das Ganze ist für uns beide mit insgesamt 1.200 US Dollar sehr teuer, aber günstiger kommt man nirgendwo zu den Gorillas oder auf einen aktiven Vulkan. Außerdem buchen wir nur das Allernötigste, fahren mit unserem eigenen Auto in die DRC, erhalten keinen Grenzsupport oder Transport durch den Park, schleppen unsere eigenen Rucksäcke mit eigenem Proviant und Wasser auf den Vulkan und buchen unsere eigene Absteige in der Grenzstadt Goma. Über die Grenze geht es zusammen mit einem frischen Kontingent UN-Truppen aus Indien, so werden wir schon von Uniformen und Schützenpanzern begrüßt. Und dann sind wir auch schon mitten drin, im aufregenden Chaos des Kongo. Wir checken in unserem gut gesicherten aber lausigen Hotel „Bassin du Congo“ ein, direkt über unseren Köpfen donnern die Transall der UN ein. Das Hotel hat richtigen Kongo-Style: Wasser und Strom fallen immer wieder aus, zuverlässig sind dagegen die Kakerlaken… 😉 Am nächsten Morgen geht es auf dem Weg in den Park erst einmal durch zig Polizei- und Militärcheckpoints voller Willkür, Bettelei und Korruption. Eine ganz schöne Umstellung nach der Ordnung Süd- und Ostafrikas! 🙂 Aber wir können es noch … Viel Blabla auf freundlichem Französisch und schon schlüpfen wir problemlos durch die meisten Kontrollen. Am ersten Tag steht das Gorilla Tracking auf dem Programm. Ein paar der sehr seltenen und vom Aussterben bedrohten Berggorilla-Gruppen in den Hängen der Virunga Vulkane wurden habituiert und können unter strengen Auflagen von Menschen besucht werden. Obwohl wir sehr früh starten, bremsen uns üble Pisten aus Vulkangestein, chaotische Dörfer und das Fehlen jeglicher Schilder so sehr aus, dass wir zu spät an der Ranger Station eintreffen. Die dreiköpfige Touristen-Gruppe ist schon unterwegs. Doch Glück im Unglück, so starten wir nur zu weit mit unseren Beschützern zu den Gorillas in den Dschungel. Um unsere nahen Verwandten vor menschlichen Krankheiten zu schützen, müssen wir einen Mundschutz tragen. Nach nur etwa einer Stunde Fußmarsch ist es so weit. Nichts kann einen auf den Moment vorbereiten, wenn man das erste Mal ohne Barriere vor einer Gruppe Gorillas mitten im Dickicht steht… wahnsinnig und überwältigend! Unsere Ranger machen mit ihren Macheten immer wieder den Busch frei, sodass wir ganz nahe an eine zehnköpfige Gorillagruppe herankommen. Die riesigen Tiere sind überraschend gutmütig und behäbig. Wir verfolgen die Familie etwa eine Stunde durch die grüne Hölle. Die riesigen Silberrücken laufen dabei immer wieder nur einen Meter von uns entfernt vorbei, wirklich Wahnsinn! Die Ranger sind auch hier schwer bewaffnet, top ausgebildet und so professionell, dass wir nie ein schlechtes Gefühl haben. Tief beeindruckt fahren wir zurück nach Goma. Am nächsten Morgen geht es zur Besteigung des Nyiragongo Vulkans, der zuletzt 2012 ausgebrochen ist und dessen Lava immer wieder bis nach Goma hinunter fließt. Zum Glück wird der Vulkan von einem internationalen Team beobachtet und bei der kleinsten Warnung geräumt. Zusammen mit Rangern und fünf anderen Touristen, die allesamt ein Pauschal-Komplettpaket inkl. Trägern gebucht haben, geht es in einer typisch afrikanischen Bergtour (sau steile, direkte Route ohne Serpentinen) in etwa sechs Stunden auf den Kraterrand auf etwa 3.500 Höhenmetern. Die anderen Touristen sind übrigens nur hier, weil sie eine Netflix Dokumentation gesehen haben, die ganz gut aussieht 🙂 Die wenigsten Reisenden trauen sich sonst in die DRC. Oben angekommen offenbart sich der Blick auf die umliegenden Virunga Vulkane, Dschungel und Berge soweit das Auge reicht und Goma am Rande des Lake Kivu. Doch wir haben uns nicht wegen dieser Aussicht nach oben geschleppt, sondern wegen des Blicks in den Krater. Als wir endlich über die Kante hinunter auf den größten Lavasee der Welt blicken dürfen, sind alle Anstrengungen wie vergessen schon wieder Wahnsinn! Fünf Meter neben dem Krater steht ein Ansammlung sehr rustikaler Hütten, in der wir die Nacht verbringen werden. Den ganzen Abend und Nachts sitzen wir mit Wein und Bier zusammen am Kraterrand und starren alle wie gebannt in die Soße, die da aus dem Erdinneren zu uns hochblubbert. Nachts ist es schweinekalt und wir schlafen mit unserer gesamten Bergausrüstung in unseren recht guten Schlafsäcken. Immer wieder hört man kleine Explosionen und Eruptionen aus dem Krater direkt neben uns. Am nächsten Morgen beginnt der Abstieg sehr früh. Unsere Ranger haben von oben eine Gruppe illegaler Holzkohleschürfer neben unserer Route erspäht und so kommt uns auf dem Rückweg eine große Einheit schwer bewaffneter Ranger entgegen, die sich auf Weg macht das Wilderer-Nest auszuräuchern. Zurück in Goma machen wir uns sofort auf den Rückweg in die Sicherheit Ruandas. Wir haben vier sehr aufregende und tolle Tage in der DRC verbracht, der Virunga Park mit dem Berggorilla-Tracking im Dschungel und der Besteigung und Übernachtung auf dem aktiven Nyiragongo Vulkan war eines der absoluten Highlights unserer Afrika-Reise! Aber lange kann man sich im Kongo nicht aufhalten, es ist einfach zu gefährlich und zu anstrengend. All die Armut, Unsicherheit, Chaos, Dreck, Polizei-Willkür und -Korruption, das verlumpte Militär und die UN Blauhelme, all das braucht man auch nicht lange…. So sind wir endlos glücklich, als wir gesund und munter die Grenze zurück nach Ruanda überschreiten.

Jetzt endlich die Bilder.

8 Kommentare

  1. Hallo Anja und Lukas,
    ich freue mich über jedes von Euch erlebtes Abenteuer!
    Alle Bilder sind voll super.
    Geniest die Reise und liebe Grüße aus dem vergleichsweise eintönigen Allgäu
    Benno

  2. Der Wahnsinn!! Einfach nur grandios… ich wünsche euch weiterhin viel Spaß. Ich bin süchtig nach eurer Seite….weiter so. Alles Liebe aus dem Harz, Claudia

  3. Ein fantastischer Bericht! Super geschrieben. Besser als die meisten National Geographic Artikel. Tolle Bilder! Vielen Dank für einen kurzen Ausflug in den Kongo! Mein Sohn hat mir den zukommen lassen da er sich gerade informiert im Zusammenhang mit seiner Fahrt von München nach Kapstadt.

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