Simbabwe: Victoria Falls und die Ruinen von Great Zimbabwe in einer Diktatur am Rande des Kollaps.

In Botswana füllen wir alle Vorräte (Bier!) und Diesel auf, bevor wir über die Grenze nach Simbabwe fahren, denn das Land soll kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehen. Die Einreise läuft typisch afrikanisch, wir werden für Visa, Versicherung (unsere bestehende wird nicht anerkannt) und Straßengebühren ordentlich zur Kasse gebeten: 110 US Dollar. Das Doppel-Visum für Simbabwe und Sambia gibt es nicht, denn die Aufkleber sind ausgegangen… 😀 TIA (This Is Africa)! Nahe der Grenze wartet im Örtchen Victoria Falls das gleichnamige Naturwunder auf uns. Schon von weitem hören wir sie. Nicht die Wasserfälle, sondern den Lärm von zig Hubschraubern und Leichtflugzeugen, die wie die Fliegen über einem Misthaufen kreisen. Das geht ja gut los. Für den Besuch der Wasserfälle müssen wir dann schon wieder 60 US Dollar auf den Tisch legen. Ist es das wert? Eigentlich schon. Der Sambesi River fließt hier von Sambia aus an und donnert dann etwa 100 Meter tief in eine Schlucht, die genau auf der Grenzlinie verläuft. Von der Simbabwe-Seite aus hat man daher die bessere Aussicht, leider kommt man aber auch dort meist nicht bis vor an die Kante und sieht so immer nur den oberen Teil der Victoriafälle. Mit einem kleinen Bridge-Permit dürfen wir dann noch über die Grenzbrücke nach Sambia laufen. Will man dort die Fälle sehen, benötigt man aber doch ein Visum und muss erneut Eintritt zahlen. Das Highlight auf Sambia-Seite wäre der Sprung in den Devils Pool direkt an der Abbruchkante, dieser kleine Badespass kostet dann für uns beide aber nochmals 150 US Dollar extra… Wir sparen uns den Irrsinn. Unser Highlight ist dafür die Rückfahrt nach Vic Falls mit einer alten Dampflokomotive. Hinten im Speisewagen sitzen die zahlungskräftigen Safari-Touristen, wir dürfen nach einem kurzen Plausch mit dem Lokführer umsonst vorn in der Dampflok fahren, da kommt koloniales Flair auf 😉 Ein paar Fahrstunden entfernt besuchen wir eine Krankenstation für die sehr seltenen afrikanische Wildhunde („Painted Dogs“). Beeindruckende, schöne aber auch aggressive Raubtiere, die mit unseren domestizierten Hunden fast nichts gemein haben. Alle Locals sind unfassbar nett zu uns und machen einen sehr gebildeten Eindruck. Aber Simbabwe leidet seit 1980 unter Dauerherrscher Mugabe, der das Land eisern im Griff hat und komplett an die Wand gefahren hat. An keinem der Geldautomaten gibt es mehr Bargeld, wir müssen alles mit unseren mitgebrachten US Dollar oder per Kreditkarte bezahlen. Bonds, die lokale Währung, stehen kurz vor der Entwertung durch Hyperinflation. Die Tankstellen sind oft leer und die Preise im Supermarkt für viele Dinge unfassbar teuer (ein Stück Käse kostet beispielsweise 10 US Dollar). Eigentlich darf niemand mit uns sprechen, die Menschen sind verzweifelt und machen es dennoch. Mugabe wird dabei nur „the Old Man“ genannt. Das schlimmste ist, dass niemand Hoffnung auf Besserung hat. „They have the Guns“. „We are walking in the Dark“. Im Voraus haben wir überlegt, ob wir das Land überhaupt besuchen sollen, ein Teil unserer Ausgaben landet unvermeidlich in den Taschen Mugabes. Dennoch sind wir der Meinung, dass Reisen und interkultureller Austausch zwischen Menschen Mauern einreißen kann. Früher oder später siegt der Gerechtigkeits- und Freiheitswille der Menschen immer! Wir hoffen für Simbabwe eher früher als später! Egal ob Simbabwe, Guinea, Nigeria oder D.R. Kongo  eine Reise in sehr arme Länder, Krisengebiete oder repressive Systeme ist immer intensiv, beeindruckend und bedrückend zugleich. In der entspannten Stadt Bulawayo ruhen wir uns daher einige Tagen auf dem Anwesen eines englischen Paares aus. Dort treffen wir den netten Italiener Claudio, mit dem wir einige schöne Abende verbringen. Claudio kann uns viele Afrika- und Lebenstipps geben und hat einen unerschöpflichen Vorrat an Sekt, Aperol und Wein 😉 Als Nächstes besichtigen wir die massiven Stein-Ruinen von Great Zimbabwe, mehrere Jahrhunderte altes Nationalmonument und Namensgeber des Landes (Zimbabwe = Steinhäuser). Es ist deshalb so besonders, weil in Afrika eigentlich alles aus Stroh und Lehm gebaut wurde und wird. Es gibt südlich der Sahara daher praktisch keine historischen Bauwerke, die man besichtigen könnte. Auf der Fahrt in die Hauptstadt müssen wir viele Polizeicheckpoints passieren. Simbabwe ist berüchtigt für seine korrupte Abzocke und so kommen wir fast perfekt vorbereitet: Zusatzreflektoren vorn und hinten am Auto, zwei Warndreiecke, zwei Feuerlöscher, zwei Warnwesten sichtbar über dem Sitz, penibles Einhalten aller Verkehrsregeln usw. Dennoch finden die fleißigen Beamten immer etwas, zum Beispiel hat unser Warndreieck nur auf einer Seite Reflektoren. Major Offense! Egal, wir sind in Sachen Abzocke und Checkpoint-Nerv von Westafrika dermaßen abgehärtet, dass wir auch hier nie zahlen. Der Hahn ist zu! Es hilft unsere Zauberformel aus Zeit, Lachen und Labern. „A Man with a Mouth is not lost in Africa“ 😉 In der entspannten Hauptstadt Harare ruhen wir uns in einem schönen Backpacker mit Pool aus. Unsere Bargeld-Reserven neigen sich langsam dem Ende uns so machen wir uns wohl oder übel auf den Weg nach Mosambik. Sambia beschließen wir bewusst auszulassen, weil es nicht soo viele spektakuläre Highlights aufweisen soll und wir unsere Finanzen im Blick behalten müssen. Ganz Afrika ist entgegen unseren ursprünglichen Erwartungen unfassbar teuer!

Nun die Bilder.

1 Kommentar

  1. Hallo Lukas,
    Ich muss sagen, ganz stark, bin fast eine Stunde gesessen und habe die vergangenen Berichte gelesen!
    Ich wünsche euch, dass ihr weiterhin so gut vorwärts kommt, spannende Eindrücke in euch aufnehmt und gesund wieder zurückkehrt, ich werde es verfolgen!!
    Also Daumen hoch!!
    VG Rolf Helmreich

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